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05.12.2014 | Beitrag | Fashion & Accessoires

Praxisbeispiel: Fashion-Marktplätze – Chancen für den stationären Handel?

Durch das veränderte Einkaufverhalten der deutschen Konsumenten aufgrund der Durchdringung  von Smartphone, Tablet und Co. klagen vor allem kleinere und mittelgroße Städte immer häufiger über fehlende Frequenz und sprechen gar von einer künftigen Verödung der Innenstädte. Als Sündenbock soll der Online-Handel herhalten, denn während dort die Marktanteile stetig steigen, gehen die Umsätze stationärer Geschäfte zurück (Innenstädte ohne Frequenz). Aber nimmt der Online-Handel dem klassischen Einzelhandel den Umsatz weg oder bietet dieser möglicherweise sogar Chancen?

Innenstädte hatten schon immer eine bedeutende Funktion als „Bühne für den Handel“ und selbst sogenannte Smart Natives (Smartphone-Generation, bei der das Smartphone ein nichtwegzudenkender Bestandteil des Alltags ist) sind sich laut einer ECC-Studie mehrheitlich einig, dass der Online-Handel den stationären Handel nicht ersetzen kann. Dennoch, der Einfluss von E-Commerce steigt. Lokale Händler können aber gerade hiervon profitieren, wenn sie Online- und Offline-Kanäle optimal miteinander verzahnen. So können beispielsweise durch den Online-Kanal Zusatzumsätze generiert werden, denn rund 50 Prozent des Offline-Umsatzes wird online durch Recherchen vorbereitet (ECC Köln, 2014).

Ansatzpunkte sind bspw. Online-Marktplätze wie Amazon oder ebay. Bei Online-Marktplätzen gilt: Je größer das Portfolio einer Website, desto relevanter ist sie für den Kunden. Vor allem kleinere Shop-Betreiber sind zunehmend auf solche Marktplätze angewiesen, da sie alleine von Kunden nur selten wahrgenommen werden. Aber auch wenn Amazon und Ebay mittlerweile durch ihre enorme Größe einen deutlichen Vorsprung im E-Commerce vorgelegt haben, bieten sich gerade im Bereich Mode und Accessoires kleinere Marktplatzkonzepte, durch Bündelung exklusiver Angebote, gute Chancen. Denn gerade bei hochwertigen Produkten oder Luxusgütern spielt auch die Aufmachung des Shops eine treibende Rolle.

Der Modemarktplatz Kleidoo ist hierfür ein gutes Beispiel. Kleidoo vereint mittlerweile rund 100 deutsche Shops auf seiner Plattform und schafft durch die vielen virtuelle Boutiquen und großen Marken eine einzigartige Einkaufsumgebung. Der Online-Marktplatz hat sich auf Trend-und Premiummode spezialisiert und differenziert sich deutlich von den Marktplatzgiganten Amazon und Ebay, bei denen Masse und Preiskampf im Vordergrund stehen (Abbildung 1 und 2). In einem Interview mit etailment erklärte Kleidoo-Gründer und Geschäftsführer Aranga Rahim: „Wir wollen den Kunden vielmehr durch anspruchsvolle Präsentation der Ware und der Shops das Gefühl eines virtuellen Stadtbummels bieten“ (emap Whitepaper „Marktplätze“).

Abbildung 1: Kleidoo – Website


Abbildung 2: Kleidoo – Shops

Auch der Mainhausender Einkaufsverbund Ariston-Nord-West-Ring (ANWR) versucht mit dem Marktplatz Schuhe.de (Abbildung 3), der primär auf Schuhe und Accessoires ausgerichtet ist, den stationären Handel und den Online-Handel stärker miteinander zu verknüpfen. Hierbei wird besonders auf Kunden eingegangen, die nach dem „RoPo-Effekt“ (Research online, Purchase offline) einkaufen. Diese haben online die Möglichkeit, verschiedene Artikel auszuwählen und deren Verfügbarkeit im stationären Handel zu prüfen oder online zu bestellen oder sich nach Schuhgeschäften in ihrer Umgebung zu erkundigen (Abbildung 4). Darüber hinaus werden dem Kunden auf der Website zusätzliche Serviceleistungen angeboten, wie einem Schuhlexikon oder Trendanalysen.

 

Abbildung 3: Schuhe.de – Website

 

Abbildung 4: Schuhe.de – Schuhgeschäfte in der Umgebung

Fazit

Auch wenn der der stationäre Handel auch zukünftig eine hohe Relevanz behalten wird, muss man sich als stationärer Händler verändern, um zukunftsfähig zu sein. Online-Shops dienen häufig als Showrooms für den Einzelhandel, denn die Customer Journey ist längst keine Einbahnstraße mehr. Das Stichwort heißt Cross-Channel. Online-Marktplätze bieten gerade für kleinere und mittlere Unternehmen interessante Ansatzpunkte, um auf das veränderte Einkaufsverhalten der Konsumenten zu reagieren und von zusätzlichen Umsätzen zu profitieren.

Autor:
Anke Tischler Anna Cziborra

Downloads
Maria Klees – Aktuelle Trends im E- und M-Commerce
Svenja Lambertz – Erfolgsfaktoren im E-Commerce
Hans-Jürgen Collatz – Kernfragen bei der Planung eines Online-Handels